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Veronika Persché
Virtuosität an der Strickmaschine

SAMPLING
A Showcase of Sculptural Wearables

Veronika Persché, of Vienna, creates three-dimensional fabric structures with the help of a computer-driven knitting machine. Combining materials and altering the design, she can create a variety of different effects from the same starting point. Her fabrics range from the organic to high glamour and are very often green (she has long been obsessed with the color). Persché rarely creates her own garments; rather, she works closely with a variety of different clothing designers, a process she feels expands the horizons of all involved.

Liz Good, Fiberarts Magazine, January/February 2008

 

VERONIKA PERSCHÉ'S KNITS

Selvedge, September 2007

Veronika Persché calls her work knit design, such a definition gives little indication of the joys to discover. Yet in a short time a striking resemblance to Dutch artist M.C.Escher emerges: her graphic patterns reflect his metamorphosis drawings. Her work is reminiscent of a journey around Escher's staircases - overwhelming, intriguing and mystifying - it's not entirely clear how either get from one level to the next. One thing is sure, if Escher could knit there's a strong chance he and Persché would have got on famously.

Born in Klosterneuburg the 31 year old Austrian had a creative upbringing; her mother sewed whilst her father studied graphic design and architecture, her grandfather was a woodcarver and family friends included performing artists. It is entirely logical that Persché became a designer and these influences explain her style - precise design with organic handcraft and the theatrics of performance.

Since graduating from Spengergasse college in Vienna (1999) Persché has built a formidable body of work based around flatbed machine knitting. She is mistress of myriad techniques and has created a range of accessories and garments. But perhaps Persché's greatest talent is repeat patterns. Her skill in manipulating the inherent grid system of knit, to draw the eye in every direction is rare. By treating the knit as a fabric her geometric 'escheresque' patterns cover the work yet remain contemporary and versatile; a fact demonstrated most notably in her 2006 collaboration with Sander Lak to produce knitted men's coats in oversized houndstooth patterns.

Using jacquards Persche explores her love of colour. In 'windrad' a windmill inspired pattern dances across the knit, and 'rodaxl' distills the essence of brail and morse code. The latter is the most technically interesting, forming the missing link between her flat and 3D patterns. By manipulating coloured stripes through tucking sections of the knit (a form of on-machine gathering), a physical depth is brought to the piece and is key to introducing a third dimension.

Persché has developed this idea further through the use of latex and elastane which shrinks and expands the knit, forming dramatic and sculptural surfaces; 'drach' and 'droptupf' being the most striking. Here Persché's strong colour contrasts distract a little from the beautiful texture. It's tempting to remind her that Escher's work was often monochrome and point out that other designers who use similar patterns and colour palettes (such as weaver Eleanor Pritchard) keep a simple flat background.

Paradoxically the most awkward thing about Persché is a result of one of knit's finest qualities: its vast and irresistible design possibilities. When a designer is as gifted as Persché it is difficult to know when to stop but by adding so many aspects she can undermine her own strength. It would be wonderful to see her patterns on different scales - draping huge sections of it rather than using it as a limited motif.

As a textile designer who makes great fabrics but stops experimenting when it comes to a final piece Persché is not unusual. So far only collaborations with other designers have fully resolved her graphic jacquards but by exploring sculptural shaping and becoming more ergonomic she could finally do justice to the fabulous quality of her textiles.
Ruth Bridgeman, Selvedge, September 2007

München feiert die Textilgestaltung

Textilforum 1/2007 März

Musterbeispiel

City Magazin 11/2007 März

Maschen, Muster und Mirakel

Strickdesign von Veronika Persché

Ich glaube nicht, dass sie die Welt rundum so sieht wie die meisten anderen Menschen: vielleicht das Was, aber sicher nicht das Wie, der Spielraum ist ja groß genug. Und bei Veronika Persché scheint alles, aber wirklich alles, sogleich Gestalt anzunehmen, eine bestimmte Ordnung, ein Muster - ein Vorgang, der sich scheinbar ganz von selbst einstellt. Sie sagt ja auch selbst, dass sie überall Anregungen aufnimmt, Ideen speichert, eine Farbe, eine Form, irgendein Detail, das dann eine Kette von Assoziationen auslöst.

Die Realisierung dieser Ideen erfolgt über die Strickmaschine. Zwei zähnefletschende Monster dieser Gattung (also gut, eine ist ein kleineres Monster) in ihrem Atelier in Wien inmitten von Rollen, Schachteln, Mappen und Fäden, immer wieder Fäden:
Für die Künstlerin sind diese Maschinen Werkzeuge, wie es früher die Stricknadeln waren, sie ersparen Zeit und geben ihr mehr Freiheit, man kann mit Hilfe des Computers viel flexibler arbeiten und entwerfen. Aber im Gegensatz zum Drucken gibt es bei diesen Mustern Vorgaben, die mit der Stricktechnik an sich zusammenhängen, und das ist ja letztlich das Typische für diese Muster, dass man immer noch die Masche sieht.

Die Muster sind manchmal sehr streng und geometrisch, klassisch konstruiert, manchmal gibt es dann aber wieder phantastischen Überschwang und exotische Anklänge. Diese Wirkung wird nicht zuletzt durch das Material ausgelöst, nämlich vorzugsweise Merino Wolle; aber eigentlich probiert sie alles, was ihr unter die Finger kommt, Metall, Kunststoff, sogar Gummi.

Und diese Materialien tragen dazu bei, dass sich die Flächen wölben, dass räumliche Effekte entstehen, die mit Licht und Schatten spielen, wenngleich die plastische Wirkung primär vom Entwurf des Musters ausgeht. Nein, sie hat so ein Muster nicht von Anfang an fix vor Augen, es ist zunächst einmal eine variable Idee und mit dem Probieren am Computer wird dann manches ganz anders als sie ursprünglich dachte. Und was so auf der Rückseite entsteht, ist gelegentlich eine große Überraschung und wunderschön.

Perfekt wird der Zauber aber erst durch die Farben, jede für sich und alle zusammen - man kann sich kaum satt sehen daran. Es gibt sie in allen Schattierungen, am meisten Grün, das ist die Lieblingsfarbe, aber Veronika Persche ist auch sonst unentwegt hinter besonderen Farben her und sie findet sie nicht nur im Handel, sondern auch manchmal in den Relikten von Großmutters Putzmachergeschäft, und bei Fäden, die nie zum Stricken bestimmt waren. Das leuchtet und sprüht und ist unglaublich lebendig, so wie sie selbst, und entzückt mit dem unverwechselbaren Flair der Jugend.

Veronika Persché macht nicht Mode im eigentlichen Sinn, sie macht auch nicht Kleidung, Accessoires und hie und da ein kleineres Stück sind Ausnahmen - so wie sie halt auch einmal einen Lampenschirm macht. Aber was die Kleidung angeht, arbeitet sie immer mit anderen Designern zusammen. Für die hat das den Vorteil, dass sie an der Entstehung des Materials selbst mitwirken können, indem sie ihre Wünsche und Vorstellungen mit der Strickkünstlerin abstimmen, sie sind nicht auf "Fertiges" angewiesen. Das funktioniert erstaunlich gut, mit den richtigen Leuten - die muss man finden.

Ein weiteres Arbeitsfeld hat sich aufgetan, seit Veronika Persche die Möglichkeit erhielt, ihre Erfahrung weiterzugeben. Sie veranstaltet Workshops, auch für Modeschüler, eben in Wien, aber auch z. B. in Genf- das ist wichtig, weil sie ihre eigenen Vorstellungen dabei immer wieder überprüft.

Das kleine Mädchen, dessen Mutter ihm schon früh die Handarbeitstechniken beibrachte, ist erwachsen geworden, aber noch immer neugierig und noch immer bereit "Neues" zu erlernen, so wie sie ja auch zuerst das Sticken und dann erst das Stricken gelernt hat. Irgendwie hängt es aber immer wieder mit ihren zauberhaften Fäden zusammen. Und dass es Fäden bleiben werden - auch und vor allem solche aus Naturmaterialien - davon ist Veronika Persche, bei aller Anerkennung neuer Techniken, doch überzeugt. Man kann eben so viel mehr damit machen als miteiner Folie.

Das Stricken bietet unerschöpfliche Möglichkeiten. Und das eigentliche Gestalten, das geschieht noch immer im Kopf, vor den inneren Augen, und die Maschine gehorcht - das ist dann das Mirakel, das wir bestaunen.
Charlotte Blauensteiner, Kunsthandwerk und Design, Februar 2007

Wollgeneigt

Veronika Persché produziert in ihrer Strickwerkstatt Textiles für heimische und internationale Designer - und nach eigenen Entwürfen.

"Grün, grün, grün sind alle meine Kleider", könnte vor gut zwanzig Jahren des Öfteren auf Veronika Perschés Lippen gelegen sein. Der Strickstoffdesignerin Liebster ist zwar kein Gärtner, sondern Fotograf, die heute 29- jährige jedenfalls trägt seit dem Jahr 1990 nur noch Grün. Grüne Socken, grüne Hose, grüne Weste grünes T-Shirt, grünes Halstuch. Selbst die Unterhose ist grün- weiß kariert, verrät sie der Vollständigkeit halber. Frühkindliche Prägung, die erste. Die Zweite wäre die strickversessene Familie, in der Persché Stricken vor Schreiben lernte. Bereits im zarten Alter von drei machte sie aus Garn kleine Püppchen, schlug also früh den Weg der wollgeneigten Strickfamilie ein. Und führt ihn heute progressiv fort.

Perschés Urgroßvater hatte sich um 1900 in Ljubljana niedergelassen, um die Damenwelt mit Wollgewand zu entzücken. Opa Strick machte sich auf nach Graz, nannte dort ein Modegeschäft sein Eigen und vererbte seinen Nachkömmlingen ein umfassendes Sammelsurium an mittlerweile halbfossiler Spitze, an Federn, Tüll und Perlen. Die Zeit nagte an dem raren Putz, und Veronika Persché sollte durch das Ergreifen des Berufs der Textilrestaurateurin den Schatz für weitere strickende Generationen konservieren. Persché allerdings rebellierte. Sie ging zwar mit 15 an die Modeschule Herbstraße- wo sie sich bald das erste Mal, "von Gruftis inspiriert" die Haare grün färbte-, besuchte jedoch nie den Zweig der Restauration, sondern ließ sich zur Gold- und Perlenstickergesellin ausbilden. Anschließend besuchte sie an der Spengergasse die Klasse für Textildesign.

Kurzfristig hatte Persché die Nase voll vom Stricken, studierte Arabistik, bis sie erneut vom Strickfieber gepackt wurde. Es kamen Aufträge der Wiener Männermodemacherin Ute Ploier, des Berliner Labels Smeilinener, der Französin Sarah Lhoir und einer Designerin in Belgien.

Die Stoffe, auf denen Persché neben eigenen Kollektionen auch Muster nach Vorschlägen von Designer umsetzt, entstehen allesamt in der Werkstatt ihrer Wohnung im 18. Bezirk. Neben der Eingangstür steht eine grüne Vase mit orangen Beeren, in der Küche trinkt man aus grünen Tassen roten Tee. Eine der gewichtigen Industriestrickmaschinen befindet sich nicht in ihrem Besitz, die duldsamen Nachbarn der Strickkünstlerin hätte man erst durch ein statisches Gutachten schützen müssen. "Will man eine Industriemaschine, wohnt man besser ebenerdig", sagt Persché. Die halbindustrielle Maschine namens Brother CK- 35 trägt der Boden aber allemal. Der Star des Arbeitszimmers steht spinnenhaft in der Mitte des Raums, in dem sich Zwirne und Garne neben britischen Zeitschriften zur Textilkunst stapeln. Die Brother hat Persché aus Brünn, das Fabrikat einer japanischen Firma sei im europäischen Osten sehr populär. Sonst kaum noch erhältlich, wird das Ding, von einer strickmusterangebenden Software aus den Achtzigerjahren angetrieben. So sieht die grün gekleidete Textilarbeiterin einer Geheimdienstlerin an der Höllenmaschine nicht unähnlich. Der Computerbildschirm, auf dem gestochen scharf das wollene Rasierklingenmuster von Ute Ploiers jüngster Kollektion steht, ist mit einem weißen Kästchen mit grauen Tasten verbunden, das wiederum an eine Fernseher angeschlossen ist, wo Persché letzte Korrekturen vornimmt, um abschließend ein Stück aus dem weißen Schaltpult zu klicken. Es ist das Herz der Brother und bringt sie zum Stricken. Der Strickvorgang selbst entzieht sich jeder Beschreibung. Die Maschine macht einen infernalischen Krach und produziert unter den gestrengen Blicken von Persché pro Stunde bis zu drei Meter Wollstoff. Vor dem Lärm schützt sich Perschè mit russischer Musik aus dicken Kopfhörern, schwindelig wird ihr ob des Tempos des hüpfenden Metallgebildes trotzdem öfters, selbst Stromschlag scheint nicht ausgeschlossen. Sieht man jedoch das gestrickte Ergebnis, so rechtfertigt das einiges. Das Monster kann filigrane Stoffe herstellen, so fein, dass man sie sich kaum anzugreifen traut. Manche sind wieder robust gezopft, andere dehnbar, einer leuchtet im dunkeln- und das Beste: Erhältlich sind sie in allen Farben.

Barbara Zeman, Falter 11/06 März 2006

Fernseh-Portrait für Puls TV, Markus Riedl 2005

v. persché zu Gast bei Radio Insieme, 2003

1 - ...die hinter den Modeschöpfern...
2 - ...Internet - Strick - Community...
3 - ...das kannst ja net zerschneiden!
4 - ...Karopapier und Plastiktaschen...
5 - ...wahrscheinlich ist meine Mutter schuld...
6 - ...stricken = Oma?
7 - ...Strickliesl...

Wunderflausch - oder: die Pullifrau und die Strickfrau

Dies ist die Geschichte der kuschligsten, liebenswertesten Pullis, die ich seit langem gesehen habe. Barbapapa meets Nyami. Naja, Vergleiche. Wer kann die schon präzise anstellen. In Wirklichkeit heißt das Label Peesan und überhaupt Johanna Larcher meets Veronika Persché. (...)
Das Ganze bald auch aus den fantasieanregenden Stoffen von Veronika Persché (der Frau mit dem Grünschimmer: Ja, sie trägt seit 7 Jahren nur mehr Grün. Nein, das geht ihr nicht auf die Nerven. Nein, sie stellt auch rote, blaue, orange Stoffe her. Ich habs genau gesehen).
Veronika hat das goldenbödige Handwerk der maschinellen Strickerei studiert und kann daher aus irgendwelcher Wolle die herrlichsten Buckel-Schuppen-Drachenrücken-Acidtrachten-Strickstoffe herstellen. Bloß: spontan zu Kleidung verarbeiten tun sich die Stoffe nie, und deshalb war es lange Zeit Veronikas größter Wunsch, jemanden zu finden, der aus ihren Stoffen Kleider werden lässt. Über eine Anzeige in der ÖH-Tauschbörse haben sich die beiden dann gefunden, und sie werden für die Sommerkollektion zusammen arbeiten.

Gerlinde Lang, fm4 Glamorous, April 2002

Tantum verde

Bereits im Vorschulalter, noch bevor sie richtig schreiben gelernt hatte, entdeckte die inzwischen 24-jährige Textildesignerin Veronika Persché ihre große Leidenschaft: das Stricken.
Vor zwei Jahren erfüllte sich die überzeugte Nonkonformistin mit einem ausgeprägten Faible für Grün - "seit sieben Jahren habe ich keine andere Farbe mehr getragen" - den Traum vom eigenen Maschinenpark und realisiert seither ihre extravaganten Strickstoffideen. Vor kurzem präsentierte sie unter dem Titel "Menschenmaschen" ihre erste Modekollektion im Palmenhaus.
Die an Shakespeares "Midsummernights Dream" erinnernden Outfits sollen jedoch die Ausnahme bleiben, denn im Design von Stoffen sieht die Wienerin ihre wahre Berufung. "Für den Entwurf von Mode fehlt mir einfach das praktische Know-how!" Deshalb ist sie nun auf der Suche nach Designern, die mit ihren Materialien arbeiten möchten

Theres Aigner, City Magazin 24/1 vom Juni 2001